Was ist eigentlich für ein Radwegenetz in unserem Ort geplant, was braucht Laboe überhaupt und was ist eine sinnvolle Planungsabfolge?
Wer die letzten Diskussionen in den Ausschüssen und der Gemeindevertretung verfolgen konnte, stellt sich sicherlich die Frage, ob und wenn ja, wo Radwege, Fahrradstraßen oder ähnliches geplant werden sollen.
Dabei unterscheiden die Planer kreisweit drei Arten von Fahrradführungen:
1. Innerörtliche Verbindungen
Es soll ein Radnetz zur bequemen Verknüpfung der innerörtlichen Versorgungseinrichtungen entstehen. In Laboe sind dies in erster Linie das Einkaufsgebiet am Ortseingang (Aldi, Edeka, DM und Getränke-Hoffmann, das zentrale Schulgelände mit der Fa. Stolz, den Ärzten und der Apotheke und die gesamte Fußgängerzone im Unterdorf mit Bürgerbüro, Geschäften und Markt.
Dieses zu entwickelnde innerörtliche Netz muss vor allem über eine hohe Zahl von bequemen Fahrradabstellmöglichkeiten und je eine Servicestation (Luftpumpe mit Zubehör, ggf. Akkulademöglichkeit) verfügen.
Die Abdeckung dieses innerörtlichen Bedarfs darf nicht zu Lasten des Fußgängerverkehrs erfolgen, wohingegen der individuelle Autoverkehr durchaus zurückgedrängt werden darf.
In der Prioritätenliste des Kreises ist die Schaffung dieser innerörtlichen Verbindungen an erster Stelle. Hier sind in erster Linie auch Fördermittel zu erwarten.
2. Radpremiumroute
Es ist ein kreisweites Netz von Radpremiumrouten zu realisieren, welches die innerörtlichen Netze der einzelnen Ortschaften sinnvoll untereinander verknüpfen soll. Diese Radwege sollen weitgehend kreuzungsfrei mit getrennten Richtungsfahrbahnen von je 2 m Breite eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 km/h (Höchstgeschwindigkeiten bis 45 km/h) ermöglichen.
Der Fuß- und Autoverkehr soll von diesem Netz möglichst getrennt verlaufen. Wir reden hier also von Überlandrouten (Fahrradautobahnen). Ein solches Netz wird derzeit von der Kielregion vorgestellt.
Die Nutzer dieser Radpremiumrouten sollen z.B. die Strecke Stein-Kiel unter 38 min. zurücklegen können.
Damit diese Geschwindigkeiten auch innerhalb der Orte ermöglicht werden, müssen dort Fahrradstraßen (Vorrang des Radfahrers vor kreuzenden Fußgängern) geschaffen werden.
Die Planungen hierzu sind komplex und langwierig.
3. Touristische Fahrradwege
Die Sehenswürdigkeiten und ÖPNV-Anschlusspunkte (Mobilitätsknotenpunkt Hafen/Busbahnhof) des Ortes werden in Ergänzung des innerörtlichen Netzes zu 1. durch touristisch geprägte Bummelrouten für Radwanderer und Tagesbesucher angebunden. Damit ist z.B. die Wegeführung des Ostseeküstenradwegs, aber auch eine Verbindung zum Ehrenmal über ruhige Seitenstraßen durch den Kurpark zu planen. Diese Bummelrouten sind nicht mit der Radpremiumroute zu verwechseln.
Hier bewegen sich die Radfahrer, die Erholung suchen und Land und Leute genießen wollen.
Diese Reihenfolge der Planungsschritte, 1. – 2. – 3., muss zwingend eingehalten werden, damit ein in sich stimmiges kommunales Radwegenetz für Laboe entsteht.
Erst wenn die Wegeführung zu Punkt 1. (innerörtliche Verbindungen) geklärt ist, können darauf aufbauend die Anschlusspunkte an ein Radschnellverkehrsnetz (Premiumradwegesystem) der Kielregion sinnvoll geplant werden. Auch der touristische „Durchgangsverkehr“ vom und zum Hafenanleger hat sich den Bedarfen der innerörtlichen Verkehrsteilnehmer und damit der Radwegeführung innerhalb unseres Ortes zu unterwerfen.
Wer dagegen wegen in Aussicht gestellter Fördermittel die Wegeplanung mit dem Ostseeküstenradweg, also Schritt 3. oder einer Premiumroute (Schritt 2) mitten durch die Nebenstraßen von Laboe beginnt, wird zwingend an der fehlenden Akzeptanz der Wegeführung durch die Einwohnerinnen und Einwohner scheitern.
Genau dieser Prioritätenliste folgt auch der Kreis Plön bei der Vergabe von Fördermitteln und der Entscheidung zum Ausbau von Radwegen entlang seiner Kreisstraßen. Schönkirchen hat sein innerörtliches Radwegenetz bereits erstellt und damit der Kielregion klare Vorgaben für ihre Planungen an die Hand gegeben.
Es wird höchste Zeit, dass auch die Gemeindevertreter von Laboe diesem Beispiel folgen und gemeinsam anhand dieser Prioritätenliste ein Fahrradwegekonzept entwickeln, das auch und im Besonderen die Bedürfnisse des Fußgängerverkehrs und mobilitätseingeschränkter Menschen streng beachtet. Denn zum Lebensabend hin werden wir alle nicht mehr Rad fahren (können) und trotzdem stolperfrei nicht zum Freiwild aller anderen Verkehrsteilnehmer werden wollen.
Die WIP Laboe lädt alle Einwohnerinnen und Einwohner ein, Ihre Gedanken zu Wegeführungen mit uns zu teilen.
